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Das vegane 4 Sterne Ski-Resort

7. Januar 2019
Leogang

Skifahren ist toll. Snowboarden auch. Schnee ist großartig. Berge atemberaubend. Das Essen für Veganer im Skiurlaub meistens nicht. Und das ist so ungerecht und kurzsichtig. Wir Veganer machen uns mit unserem Lebensstil stark für die Schwachen: für unsere nicht-menschlichen Mit-Tiere, die menschlichen Armen und Benachteiligten dieser Welt, für die Rettung unseres Ökosystems, der Lebensgrundlage allen Lebens. Und damit letztlich auch für die Berge und die Hotel-Industrie dort, die von einer intakten Natur und einem noch halbwegs intakten Wetter profitieren würde (Schnee anyone?). Aber wer glaubt auf der Hütte als Veganer mit Wohlwollen oder gar Dankbarkeit begrüßt zu werden, täuscht sich gewaltig.

 

Wir Veganer machen uns eigentlich auch stark für die Hotel-Industrie dort oben, die von einer intakten Natur und einem noch halbwegs intakten Wetter profitieren würde.

 

Wie oft habe ich beim Einkehren auf der Piste nach Hafermilch für den Kaffee gefragt (die ja nicht im Verdacht steht aus fernen Ländern zu kommen und mit Chemie gestreckt zu sein, denn Sie besteht aus heimischem Hafer und Wasser). Antworten wie: „Sowas Deppertes ham mir ned! Mir ham a gsunde Milch von den Küh’n hieroben“ oder „Wos wiallst? Wos?! Naaa, ha ha ha“ sind die Regel.

Schon klar. Ihr seid alle so traditionsbewusst und naturverbunden da in den bayrischen und österreichischen Bergen, gell? Deshalb fährt man mittlerweile auch an so vielen Aldis (heißt Hofer in Österreich) vorbei, wo es nur die beste Bio-Öko-Streichel-Kuhmilch und das humane, handgezurzelte heimische Fleisch gibt. Klar!

 

Forsthofalm

 

Ich habe mittlerweile nur noch sehr begrenzt Verständnis für sogenannte Traditionen. Denn wenn uns die Welt um die Ohren fliegt, habe ich andere Prioritäten. Und ja, auch die ach so natürlichen Bergkühe bekommen in der Regel Kraftfutter aus nicht-klimafreundlichen Quellen zugefüttert, da sie sonst nicht turbomäßig genug Milch produzieren würden. Es muss einfach Schluss sein mit tierischen Produkten. Denn es geht ohne viel gesünder für Mensch und Planet. Abgesehen davon schmeckt pflanzliche Milch einfach weniger nach Muttertier, was mir persönlich einfach besser schmeckt, da ich kein Kälbchen bin. Aber ich schweife ab.

 

„Sowas Deppertes ham mir ned! Mir ham a gsunde Milch von den Kühn hieroben!“

 

Jedenfalls bin ich begeisterter Skifahrer und liebe die Berge und buche mich auch gern mal in teuren Skihotels ganz oben auf den Schnee- und Gletcherpisten ein. Bisher war die kulinarische Seite dieser Trips immer (!) ein krasser Flop. Und wer 400 EUR die Nacht zahlt und dafür nur Beilagen essen kann ist auch trotz bester Abfahrten, Weine und Wellnessprogramme frustriert.

Ich sage bisher, weil dieses Jahr ein kleines Wunder passiert ist. Ein „kleines“ Wunder, weil das Hotel in dem wir waren nur auch vegan ist. Es hat sozusagen einen veganen Schwerpunkt. Man bekommt aber auch tierische Produkte, z.B. Fleisch vom Grill oder regionalen Kuh- und Ziegenmilchkäse. Und „klein“ auch, weil der Hotelier Markus Widauer mir sagte, dass er den veganen Schwerpunkt nicht aus ethischen oder ökologischen (siehe oben) Gründen macht. Sondern einfach weil die Nachfrage in diesem Premium-Segment so stark ist, dass es effizienter für Ihn und seine Küchenchefs war, direkt den veganen Standard einzuführen, anstatt mehrmals am Tag für vegane Sonderwünsche zu catern.

 

Forsthofalm

 

Ich war kurz zutiefst enttäuscht über diese Aussage. Dann dachte ich darüber nach und kam zu dem Schluss, dass das so vielleicht sogar besser sein könnte. Macht es nicht mehr Hoffnung, wenn da kein idealistischer Gastronom am Werk ist, sondern ein nüchtern aber innovativ kalkulierender Geschäftsmann? Wenn sich wirklich was verändern wird, dann wohl so. Also war ich wieder versöhnt mit der Forsthofalm, meinem veganen Winter-Sehnsuchtsort. Jetzt ist es raus!

 

Wer 400 EUR die Nacht zahlt, will keine Beilagen essen müssen.

 

Zu Suiten, Skigebiet und Wellnessangebot haben die KollegInnen von fasheria.com ja schon einen schönen Artikel geschrieben. Dazu nur soviel: Wir hatten reichlich und (fast) ausschließlich Naturschnee. Das Angebot an schwarzen, roten und blauen Pisten ist großartig und gut konzipiert. Es gibt Funparks und -Abfahrten, die man gut mit den normalen kombinieren kann. Und man kann gut eine Woche lang jeden Tag eine komplett andere Route direkt ab Hotelterrasse in Angriff nehmen. Der beheizte Pool auf dem Dach vis-a-vis des Bergs/der Piste ist das absolute Highlight wenn man völlig ausgepowert aus dem Schnee kommt. Die Saunen und Dampfbäder sind gut und das Design (auch das des gesamten Gebäudes, das komplett aus Holz besteht) ist einzigartig schön. Die Menschen (Gäste wie Angestellte) sind sehr nett. Wir haben Freundschaften geschlossen und uns bei den Mahlzeiten durchweg gut unterhalten (war bisher auch selten so).

 

Forsthofalm

 

Ich könnte noch lange so weiter machen. Davon schreiben, wie wir mit einem Tesla Model X herumkutschiert wurden (nice!), wie gut das Klima in der Suite durch die Holzbauweise war. Aber wie gesagt, mir geht es hier vor allem um den kulinarisch-veganen Schwerpunkt des Hotels. Und eins vorweg: Ich hab keine Fotos gemacht. Sorry. Ich war zu sehr damit beschäftigt mir möglichst viele der Leckereien auf den Teller zu packen, dass ich einfach keine Zeit dafür hatte. Aber meine tolle Frau hat welche gemacht und auf Instagram gepostet.

 

Lecker Vegan Food

 

Das Frühstück: 10 von 10 Punkte. Ja, Baby! Vegane Pancakes, vegane Waffeln, direkt vom freundlichen Waffelmann. Frische Dessert-Soßen dazu, Früchte, Beeren, Nüsschen, Saaten und Soja-Joghurt. Dann frisch gebackene Brötchen, Brot, und jeden Morgen 4-5 hauseigene Aufstriche: Chili, Avo, Hummus natur, Hummut Tomate, an die fünfte Sorte kann ich mich nicht erinnern. Und eine anständige Margarine. So lächerlich es klingen mag: Viele Cafés, Restaurants, Hotels tun sich schwer mit Margarine. Wie oft höre ich „nein, Margarine haben wir nicht“. Wahrscheinlich weil sie (zu unrecht!) so ein schlechtes Image hat.

 

Gastronomen, schafft euch pflanzliche Butter (Margarine) an! Und  Soja-Joghurt! Und Hafermilch!

 

Aber das ist auch wieder ein anderes Thema. Trotzdem: Leute! Gastronomen! Schafft euch um Veganers Willen bitte eine anständige Bio-Margarine für die Pflanzenfresser an. Kostet 99 Cent – 1,29 EUR, ich empfehle die Bio-Alsan-S. Sehr wohlschmeckend, sehr gesund (für mich), ohne Tierleid, ohne Menschenleid, ohne Planetenleid. Kann man getrost ein paar Monate im Tiefkühler lassen und bei veganer Kundschaft rausholen. Kostet nichts, macht keine Arbeit, macht einen riesigen Unterschied. Denke der Aufwand ist gerechtfertigt.

 

Forsthofalm

 

Also, liebe Forsthofalm, beim von manchen als wichtigste Mahlzeit angesehenen Früstück alles richtig gemacht. Bis zum Dinner gab es noch diverse Zwischen-Snack-Optionen. Hier sei der Nachmittags-Snack hervorgehoben: Neben Wurst und Käse, schau an, wurden da jeden Tag mit viel Liebe und Können gezauberte vegane Sandwiches (z.B. Hummus-Radicchio), Wraps und Quiches dargeboten. Ein Traum für den kalorienhungrigen Wintersportler.

Übrigens gab es auch im Wellnessbereich immer frisches Obst, selbst zusammenstellbare Trockenfrucht- und Nuss-Mischungen, hoteleigene Teemischungen.

 

Eine ganz selbstverständliche, entspannte, gehobene vegane Küche – jeden Abend

 

Zum Abendessen: Abgesehen davon, dass es ein schönes Konzept gab. Und zwar, dass an manchen Abenden das Restaurant zu einer lange Tafel umgebaut wurde, an die man sich „aufschließend“ setzte und so zwischen den anderen Gästen sitzend mit eben diesen ins Gespräch kam. Abgesehen davon war auch das Essen sehr gut. So gut, dass wir mittlerweile ein wenig besorgt sind, dass das Hotel-Restaurant irgendwann einen Stern bekommt, und dann gar nicht mehr erschwinglich ist (wäre nicht das erste Mal, dass wir sowas erleben). Richtig schön war aber, dass ich mich einfach an den Tisch (mit wunderbarer Aussicht auf den Berg) setzen konnte, und einfach das vegane 5 Gänge Menü bekam. Kein „geht das auch ohne Tiere?“, kein „ist da wirklich keine Rinderbrühe drin?“, keine stöhnenden Kellner und Köche. Sondern eine ganz selbstverständliche, entspannte, gehobene vegane Küche – jeden Abend.

 

Leogang

 

Am zweiten Abend habe ich meine Frau gefragt, wie lange wir hier leben könnten, wenn wir das Haus verkaufen würden. Offensichtlich nicht lange genug, sonst würde ich diese Zeilen jetzt aus Leogang im Salzburger Land schreiben. Aber Berlin ist auch schön. Bis nächsten Winter jedenfalls. 😉

Eine Sache möchte ich zum Schluss noch sagen: Ich bin mir durchaus bewusst, dass Wintersport, Winterurlaub, überhaupt in Urlaub fahren aus Umweltgesichtspunkten und CO2-Perspektive kritisch gesehen werden sollte. Ich sage nicht, dass ich mit diesem Urlaub alles richtig gemacht habe und zukünftig richtig machen werde. Aber für mich ist es ein Nobrainer wenn ich denn in den Winterurlaub fahre, mein Geld in nachhaltige, vegane Holz-Hotels zu stecken.

 

Das ist im Prinzip auch die Tagline dieses Textes, für alle, die kurze Zusammenfassungen bevorzugen (also besonders für dich Hinnerk!):
Wenn ich denn schon in den Skiurlaub fahre, stecke ich mein Geld in nachhaltige, vegane Holz-Hotels. In diesem Sinne: Hals- und Beinbruch!

 

[ACHTUNG: WERBUNG! Ich nenne in diesem Artikel Marken, Hotels, etc. Ich bekommen leider kein Geld dafür. Nein, im Gegenteil, ich habe superhart für das Hotel geblecht, und ebenso kaufe ich mir z.B. Margarine selbst im Kaufladen. You know. Aber hiermit kläre ich euch auf, dass ich damit wohl trotzdem Werbung mache. Und das ist auch gut so, dass ich darüber aufklären muss. Transparenz ist wichtig. No hard feelings, EU Commission. I’m a fan. ]

[Florian]

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